Corona-Andacht: Wenn Hirten die Herde vernachlässigen

Der Prophet Hesekiel schreibt:
1 Und des HERRN Wort geschah zu mir:
2 Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden?
10 So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen.
11 Denn so spricht Gott der HERR: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen.
12 Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war.
13 Ich will sie aus allen Völkern herausführen und aus allen Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und an allen Plätzen des Landes.
14 Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels.
15 Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der HERR.
16 Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist.
31 Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der HERR.

Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=508911

Liebe Gemeinde,

ein Hirte, der seine Schafherde hütet – das ist hier am Rhein zwischen Homberg und Beeckerwerth ein wohlvertrauter Anblick. Ein Hirte, der sich um seine Schäfchen kümmert, ist auch ein klassisches Bild für die seelsorgerliche Arbeit eines Pastors, der seine Gemeindemitglieder betreut und jeden kennt.

In unserem Text geht es aber nicht wirklich um Schafe und Pfarrer. Er ist hochpolitisch! „Wehe den Hirten, die sich selbst weiden!“ (Hes 34,2).  Die Hirten, die da kritisiert werden, sind die Volksführer und Volksvertreter der damaligen Zeit des Propheten in Israel, also der König und die Mächtigen im Land, die mit ihm das Sagen hatten. In dem Prophetenwort geht es um harte Kritik an der Selbstbedienungsmentalität dieser oberen Kreise, die sich nicht um das Wohl ihres Volkes scherten und nur auf ihr persönliches Wohlsein aus waren. Sie vernachlässigten ihre Aufgabe, sie nahmen ihre Verantwortung nicht wahr, sie kümmerten sich nicht um Recht und Gerechtigkeit und die Not der armen Leute, sondern nur um sich selbst. Darum würde, so Hesekiel, demnächst ein göttliches Strafgericht über sie ergehen. 

Die Warnungen des Propheten an die politische Führungsschicht damals waren keine leeren Worte. Hesekiels Weissagung über die schlechten Hirten hat sich erfüllt. Das Stichwort dafür ist die sog. babylonische Gefangenschaft, die 587 v. Chr.  mit der Zerstörung Jerusalems und des Tempels und der Verschleppung der jüdischen Oberschicht begann und rund 70 Jahre dauerte. 

Das ist nun wirklich lange her. Aber das Wort Hesekiels war nicht nur für jene Zeiten wichtig. Dazu zwei Gedanken. Zum einen: Für das Volk Israel hat es in der jüngeren Geschichte neue Bedeutung erhalten. Die Staatsgründung nach dem 2. Weltkrieg war für Juden – und auch Christen! –  ein Zeichen der Treue Gottes, der sein Volk niemals aufgibt. Gott hat sein Volk aus allen Ländern der Welt zurückgerufen in Heilige Land – das bekennen viele Juden und Christen und sehen darin eine Erfüllung der alten Verheißung Hesekiels in unseren Zeiten.

Zum anderen: Auch der erste Teil von Hesekiels Botschaft  bleibt aktuell  als eine Mahnung an alle Regierenden überall auf der Welt. Sie sollen erkennen und ernst nehmen, dass sie für ihr Tun vor Gott verantwortlich sind, dass sie sich nicht durch ihr Amt selbst bereichern sollen in Korruption und Selbstbereicherung, dass sie sich um das Wohl des Volkes kümmern sollen, ganz besonders um das der Schwachen, der Armen, der Ausgegrenzten, all jene, die von der Hand in den Mund leben und auf keinen grünen Zweig kommen.  

Diese Mahnung des Propheten gilt auch noch heute für unsere Gegenwart. Zwar sind unsere Zeiten anders, wir leben in einer Demokratie, haben unsere Regierenden selbst gewählt. Aber das ist keine Garantie dafür, dass immer alles gut funktioniert. In den letzten Monaten gab es mancherlei Nachrichten, die Sorge, Ärger, ja Zorn ausgelöst haben. Stichwort „Maskenaffäre“: Einige unserer Volksvertreter haben, so der Vorwurf, bei der Beschaffung von Corona-Schutzmasken persönlich davon profitiert. Stichwort Corona-Schutzimpfung: Es gab Meldungen, wonach einige Vertreter von Politik und Wirtschaft ihre Beziehungen ausgenutzt haben und sich impfen ließen, obwohl sie noch gar nicht dran waren. So etwas durfte nicht geschehen. In manchen Gruppen unserer Bevölkerung, die „denen da oben“ sowieso nicht grün sind, kam es deswegen zu pauschalen Vorwürfen und weiterer Politikverdrossenheit. Und da wir in diesem Jahr Wahlen haben, fürchten nun viele den Verlust von Wählerstimmen oder eine Wahlniederlage. Da klingt Hesekiels Drohung nach: „Ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern“ (Hes 34,10).  

Passend dazu handelt der zweite Teil der Prophetenworte von einem Regierungswechsel. Allerdings geht es da nicht um Neuwahlen der Regierungsvertreter und auch nicht um die kommende Fremdherrschaft des Großreichs Babylonien, das damals gegen das Königreich Israel einen Eroberungsfeldzug führte gewann. Es geht vielmehr darum, dass am Ende Gott selbst die schlechten Hirten ersetzt und sich persönlich um sein Volk kümmert: „Ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein“ (Hes 34,31). Über Jahrhunderte wartete das jüdische Volk auf diese Gottesherrschaft und den Messias, den verheißenen König, als guten Hirten. Und Jesus nahm diese Erwartungen auf und knüpfte sie an seine Person, indem er von sich sagte:  

„Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben“ (Joh 10, 11.27.28).

Jesus hat dieses Bild ganz bewusst ausgesucht, um seine Aufgabe am jüdischen Volk  und an der Völkerwelt zu beschreiben.  Es ist eine ganz andere Aufgabe, als sie Könige und Politiker von einst und jetzt haben. Es geht in diesem Wort Jesu nicht um Politik, nicht um irdische Wohlfahrt. Es geht um das Evangelium, die frohe Botschaft,  um das ewige Leben, um die Zukunft bei Gott, um die Erlösung. Um das für uns zu erreichen, ist Jesus gekommen als der Gute Hirte für alle Menschen, Juden wie Heiden. Und ihnen wie uns gilt  der Ruf Jesu zum Glauben. Wer an Jesus als seinen Herrn glaubt und sich nach seinen Worten richtet, der gehört – im Bild gesprochen – zu den Schafen, denen er das ewige Leben gibt. Sein Ruf geschieht, damit wir unseren Weg finden und ihn unter seiner Führung gehen und dort ankommen, wo er uns schon erwartet: Der gute Hirte in seinem Reich, das ewig ist und ganz bestimmt auch einen Platz hat für uns.    

Aber an Gott glauben – das ist nicht immer einfach: Es gibt ja auch viele andere Stimmen und selbsternannte Hirten, die uns in eine andere Richtung als die von Gott gewiesene lenken wollen, und oftmals sind Menschen  auf den einen oder anderen hereingefallen. Dabei meine ich nicht bloß Sekten oder Psychogurus. Es geht hier auch wieder um Politik, nämlich politische Führer, die sich wie Retter und Heilande verehren lassen und einen Glauben an sich fordern, als seien sie von Gott gesandte Erlöser und gute Hirten. Zum Jahrestag des Kriegsendes wird bald, am 8. Mai, wie jedes Jahr aufs Neue der Befreiung aus den dunklen Zeiten des 3. Reichs gedacht, wo ein solcher schlechter Hirte, der sog. Führer, ein ganzes Volk verführte und Unzählige  in Tod und Verderben riss. Dieser Führertyp stirbt niemals aus – die Nachrichten sind voll von dem, Assad in Syrien, das Militär in Myanmar, Lukaschenko in Belarus, der Krieg im Jemen und Vieles mehr. 

Doch auch jenseits der Politik gibt es bei uns viele Einflüsse, Moden und Zeitgeisterscheinungen, die alles Mögliche versprechen, wodurch das Leben angeblich erst lebenswert wird. Dabei geht es um das, was wir kaufen sollen, um glücklich zu werden, was man besitzen muss, um dazu zu gehören. Und das kommt oft so lautstark und aufdringlich daher, dass man abgelenkt wird und die leise Stimme des Guten Hirten überhört. 

Er aber bleibt geduldig, bleibt uns gnädig zugewandt und seine Stimme, das Wort Gottes, bleibt stets für uns da – auch wenn wir einmal abgelenkt sind und in die Irre gehen oder einmal ohne ihn auskommen wollen. Doch niemals ist es zu spät für einen Neubeginn, das lehrt Jesu Geschichte vom verlorenen Schaf, das der Hirte sucht und findet. Und – Hand aufs Herz –– jede und jeder von uns kennt Momente und Zeiten, in denen wir uns ziemlich weit von der Herde entfernt hatten. Doch Jesus Christus ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Pfarrer Klaus Fleckner

Corona-Andacht: Wenn Jesus mitten in die Isolation tritt

Von Photo: Andreas Praefcke – Selbst fotografiert, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2142041

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt waren und die Türen aus Furcht verschlossen hatten, da kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: (…) „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. (…) Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.“ (Johannesevangelium 20, 19-23 in Auswahl)

Ein paar Gedanken aus der Predigt vom 11. April:

Manchmal wollen Menschen einfach nicht raus, sondern sich einschließen und niemanden sehen oder sprechen. Denn so schlecht wie mir geht es ja sonst keinem, und außerdem interessiert sich sowieso niemand für mich. Das passt ja übrigens sogar ganz gut zu den gegenwärtigen Kontaktbeschränkungen…

So ähnlich haben sich wohl die Jünger Jesu am Ostermorgen gefühlt, bevor Jesus selbst durch die verschlossene Tür zu ihnen kommt. Resignation und vor allem Selbstmitleid helfen jedoch kein Stück weiter. Was Jesus sagt, das darf nicht in geschlossenen Räumen bleiben: „Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.“ Ein unglaublicher Satz, der die Jünger und uns als ihre Nachfolger in eine riesige Verantwortung nimmt. Wie soll das gehen, jemandem die Schuld zu vergeben? Wenn Jesus das aussprach, dann konnte jemand wieder sehen oder laufen, war nicht mehr einsam oder wurde satt. Dürfen wir das auch so sagen? Können wir das? Trauen wir uns das eigentlich? Denn wird man dabei nicht völlig ausgenutzt von den „Schuldigen“? Erst einmal ist wichtig, dass diese Aussage niemals einfach nur so dahin gesagt werden kann. Wenn ich jemandem zuspreche „Deine Schuld ist dir vergeben“, dann muss das auch so sein, und in meinem Hinterkopf dürfen keine Zweifel sein. Was vergeben ist, das bleibt vergeben, und ich kann nicht 14 Tage später denken oder sagen „War ja eigentlich klar, hätt‘ ich besser nicht gemacht; war wohl ein Fehler mit dem Vergeben…“ Wenn es nicht gelingt, das auch zu tun, was gesagt wird, dann nützt auch das Aussprechen der Vergebung nichts, denn dann bleibt die zweite Satzhälfte gültig: „Welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.“ Oft wird leider übersehen, dass die Menschen, denen Schuld vergeben wird, auch eine Aufgabe haben, nämlich die Vergebung zu akzeptieren, und „hinfort nicht mehr zu sündigen“ – wie Jesus es ausgedrückt hat. Das reduziert die Gefahr des Ausgenutzt-Werdens.

Jesus möchte in dieser Osterbegegnung Mut machen, die Chancen des Vergebens auch ohne seine direkte Nähe auszuprobieren, sich mit Menschen abzugeben, und sich nicht aus Angst oder Abneigung vor ihnen einzuschließen. Christen werden immer da in besonderer Weise wahrgenommen und gebraucht, wo Krisen sind, wo Leid ist, wo Krankheit und Tod drohen; um da zu zeigen, dass es seit Ostern Kraft gibt zum Standhalten und zum Durchhalten. – Sogar im Lockdown. Vielleicht müssen wir einlösen, was Gesundheitsminister Spahn vor einigen Monaten sagte: „Wir werden uns viel zu vergeben haben“.

Ihr Pfarrer i. R. Wolfgang Tereick

Online-Gottesdienste, Corona-Newsletter und Inzidienzwerte

Liebe Gemeindemitglieder!

Die Meldungen um steigende Inzidenzwerte, einen „Brücken-Lockdown“ und neue Zuständigkeiten der Bundesregierung im Kampf gegen die Corona-Pandemie folgen in immer kürzeren Abständen. Bei allem Hin und Her sucht unsere Gemeinde ihren eigenen Weg, und der sieht so aus. 

Sie erhalten weiterhin regelmäßig unseren Corona-Newsletter mit Andacht und Nachrichten. Zusätzlich gibt es seit Karfreitag unser Angebot, Woche für Woche jeden Sonntag (und auch die folgenden Tage) einen digitalen Gottesdienst im Internet zu schauen, wenn Sie über einen Internetzugang verfügen. Für alle, die diese Möglichkeit nicht haben, gibt es die in der Beecker Kirche gehaltene Predigt im Newsletter, je nach Länge entweder in Zusammenfassung oder vollständig ausgedruckt.

So soll es auch in den kommenden Wochen und Monaten weitergehen. Wir hoffen natürlich, dass wir bald auch wieder zum Gottesdienstbesuch in die Beecker Kirche einladen können, und prüfen jede Woche aufs Neue, ob dafür eine Möglichkeit besteht.

Der Inzidenzwert der Vorwoche für den Stadtbezirk Meiderich-Beeck, von dem wir unsere Entscheidung abhängig machen, lag aber in der Woche vom 4.-11.  April leider wieder über 150 (genau: 204,8 –  eine erschreckend hohe Zahl).

So bleibt uns nur die Hoffnung, dass wir mit Ihnen und Sie mit uns auf diesen Ersatzwegen – Newsletter und/oder Internetgottesdienst – verbunden bleiben. So manche freundlichen Antworten aus Ihrem Kreis ermutigen uns, den begonnenen Weg fortzusetzen – herzlichen Dank für diese Rückmeldungen.

Herzliche Grüße, und bleiben Sie behütet!                              Ihr Pfarrer Klaus Fleckner     

Gottesdienst für Karfreitag 2021

Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden
ein Ärgernis und eine Torheit werden:
so sei’s doch mir, trotz allen frechen Spottes,
die Weisheit Gottes.

Christian Fürchtegott Gellert, Herr, stärke mich

Der Gottesdienst startet am Karfreitag um 10:00 Uhr.

Corona-Andacht: Das menschliche Leben in Gänze angenommen

Jesu Einzug in Jerusalem – Pietro Lorenzetti, 1320

Wochenspruch: Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele (Matth 10, 28).

Liebe Leserin, lieber Leser,                                                        21. März 2021

am kommenden Sonntag beginnt mit Palmsonntag die Karwoche. Der Jubel der Menschen beim Einzug Jesu in Jerusalem steht in größtmöglichem Gegensatz zu seinem Leidensweg, der ihn ans Kreuz auf Golgatha führt. Es ist nur ein kleiner Schritt vom „Hosianna. Gelobt sei der da kommt im Namen des Herrn“ zum Geschrei der Menge vor Pontius Pilatus „Kreuzige ihn!“.  

Jesus hat das kommen sehen. Während seine Jünger auf dem Weg nach Jerusalem noch darum streiten, wer von ihnen im Reich des kommenden Königs von Israel die besten Plätze neben Jesus erhalten soll, macht er ihnen klar, dass daraus nichts wird. Er bereitet sie auf seinen baldigen Tod vor und nennt ihnen den Grund dafür: Sein Leben soll als „Lösegeld für viele“ dienen. Damit deutet er an, dass er durch seinen Dienst, sein Sterben am Kreuz, Erlösung von Sünde und Tod bewirken wird.

Daraufhin, so können wir es uns lebhaft vorstellen, gab es unter seinen Jüngern Widerspruch, Enttäuschung, Ernüchterung und Angst. Wie kann einer sehenden Auges in den Tod gehen? fragten nicht nur Jesu Anhänger damals – diese Frage begleitet die Geschichte der Kirche bis heute. Jesu Tod am Kreuz im Auftrag Gottes war und ist für viele Ärgernis und Stein des Anstoßes. Und doch ist dies zentraler Bestandteil des christlichen Glaubens. Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu, ist nicht ohne Karfreitag zu haben.

Die Botschaft daraus aber bedeutet Trost für alle, die in dunkler Zeit leben und leiden. Jesus, Sohn Gottes und Menschensohn, hat das menschliche Leben in seiner Gänze angenommen, mitsamt dem Leiden. Er lässt uns in schweren Stunden nicht allein, sondern begleitet uns und führt uns weiter auf unserem Weg, so dass wir mit dem Beter des 23. Psalms gewiss sein dürfen: „Und ob ich auch wanderte im finsteren Tal, du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich“. Jesus als der gute Hirte lässt uns nicht im Stich.

Das gilt auch und gerade in Corona-Zeiten, in denen Angst und Sorge groß sind und Hoffnungen auf baldige Impfung durch Negativ-Schlagzeilen immer wieder enttäuscht werden. In alledem gilt es, das Vertrauen und die Hoffnung auf Gottes Beistand festzuhalten und zu bitten:

„Bewahre uns Gott, behüte uns Gott, sei mit uns in allem Leiden. Voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe schweren Zeiten“.                       Bleiben Sie behütet!  Ihr Klaus Fleckner

Corona-Andacht: Gott will, dass wir als Christen ein erfülltes Leben führen

Von Thomas Schoch – photo taken by Thomas Schoch, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=564257

Wochenspruch: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. Luk 9, 62

Liebe Leserinnen und Leser!

Immer wieder im Leben gibt es Zeiten, in denen wir uns entscheiden müssen. Je nachdem, wie wichtig eine solche Entscheidung ist, ist es normal, sich dafür Bedenkzeit zu nehmen. Bei der Berufs- oder der Partnerwahl etwa gibt es das aus gutem Grund, denn längst nicht jeder ist sich sofort sicher, was für ihn nun richtig ist.

Allerdings ist in solchen oder anderen Situationen die Gelegenheit zur Entscheidung nicht unbegrenzt. Wer zu lange hin und her überlegt, dem kann es passieren, dass seine Chance plötzlich wieder vorüber ist. Die Firma nimmt einen anderen Bewerber, die Freundin, die zu lange auf einen Antrag warten muss, sucht sich plötzlich einen anderen. Dazu gibt es das Sprichwort: „Man soll das Eisen schmieden, solange es heiß ist“.

Jesus hat gezielt Menschen in seine Nachfolge gerufen und viele haben sich schnell entschieden. Andere wollten erstmal noch wichtige Dinge zu Hause erledigen. Mit seinem Satz hat Jesus potentielle Anhänger aufgerufen, nicht lange zu zögern, sondern jetzt die Gelegenheit zu nutzen, mit ihm zu gehen. Das Vorbild dafür war er selbst. In der kurzen Zeit seines Wirkens hat er Stunde für Stunde, Tag für Tag, Woche für Woche getan, was er Gottes Auftrag für sich erkannt hatte, das Wort Gottes zu verkündigen, Sünder zu begnadigen, Menschen zur Arbeit in Gottes Weinberg zu berufen. So hat er die ihm gewährte Zeit voll ausgeschöpft.

Der Weg des Glaubens ist voll von Aufgaben und Chancen. Jede und jeder findet auf seinem Weg Möglichkeiten, seinen Glauben zu leben – im Gebet, im Zusammensein mit anderen, in der tätigen Nächstenliebe. Auch in Coronazeiten gibt es das, sei es, dass wir bewusst Verbindung pflegen zu anderen, an die wir sonst nur denken, und sie mal anrufen, besonders Menschen, die einsam sind, sei es, dass wir Gottes Nähe in der Stille suchen – eine Chance gerade in Zeiten, in denen der Alltagsbetrieb so reduziert ist. Vielleicht überprüfen wir unsere bisherige Lebensweise und entdecken dann ganz neue Möglichkeiten für die Zukunft, wenn sich alles wieder normalisiert. Auch in Coronazeiten gilt: Gott will, dass wir als Christen ein erfülltes Leben führen, in Verbindung mit ihm und den Menschen, die er uns auf unserm Weg begegnen lässt.  

Gott schütze Sie!                       Herzliche Grüße Ihr Pfarrer Klaus Fleckner

Corona-Andacht: Geduld und Ausdauer gerade in schwerer Zeit

Von Thomas Cole – http://www.humanitiesweb.org/human.php?s=g&p=c&a=p&ID=2652[1] http://www.the-athenaeum.org/art/detail.php?ID=8567, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=182991

Wochenspruch für den ersten Sonntag in der Passionszeit (Sonntag Invokabit): Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. 1. Joh 3,8b

Über viele Jahrhunderte haben Christen an den Teufel geglaubt, weil er an vielen Stellen der Bibel erwähnt wird. Im modernen Denken aber gilt der Teufel als mythologische Figur und gehört nach heutiger Auffassung ins Reich der Legenden. Manche Christen halten dennoch an der Teufelsvorstellung fest, weil sie von der unsichtbaren Realität des Bösen überzeugt sind. 

Nun wird niemand bestreiten, dass es böse Gedanken, böse Worte und böse Taten gibt. Schon Jesus hat davon gesprochen, dass sie aus dem Inneren, dem Herzen des Menschen entspringen, und sie zeigen sich in Feindschaft, Hass, Gewalt und Unversöhnlichkeit.  So steht der Teufel als Begriff für die Realität des Bösen in der Welt. Aber es ist bedeutungsvoll, dass er keinen Platz im Glaubensbekenntnis gefunden hat. Man muss nicht an ihn „glauben“.

Als Christen glauben wir an den Sohn Gottes, seine heilende Macht der Liebe, die uns Menschen von dem Bösen erlösen will.  Was auch immer wir von der biblischen Gestalt des Teufels halten – er soll  keinen Platz in unserem Glauben einnehmen.  

Als Prediger des Reiches Gottes hat Jesus zur Umkehr von dem Bösen aufgerufen und Gottes grenzenlose Barmherzigkeit verkündet. Er hat sich Sündern zugewandt, um ihnen zu vergeben, und ihnen den Weg zu Glaube und Nächstenliebe gewiesen. Als Wundertäter und Arzt hat Jesus in der Vollmacht des Geistes Gottes auch körperliche und geistige Krankheiten geheilt. Letztere sah man damals als Zeichen dämonischer Besessenheit und Werk des Teufels an.  Und so hat er vielen Menschen geholfen, mit der frohen Botschaft des Evangeliums und Wundern und Zeichen in der Kraft des Geistes.

In der nun angebrochenen Passionszeit denken wir an Jesu besonderen Dienst an uns durch seinen Leidensweg zum Kreuz auf Golgatha. Es ist fester Bestandteil des christlichen Glaubens, dass er dies „uns zugut“ getan hat, in stellvertretender Übernahme menschlicher Schuld, und dass er sie durch seinen Kreuzestod ein für allemal gesühnt hat. „Tod wo ist dein Stachel, Hölle wo ist dein Sieg?“ hat der Apostel Paulus die Heilstat Gottes im Opfer Jesu kommentiert. „Er hat der Schlange den Kopf zertreten“ formulierten es andere Zeugen und meinen damit, dass die Werke des Teufels, die Macht von Sünde und Tod dadurch gebrochen wurden. 

Dieser Glaube an Gottes Liebe und die Erlösung durch Jesus Christus gibt Hoffnung und Mut, Geduld und Ausdauer gerade in schwerer Zeit. Er kann und soll uns auch durch die Corona-Zeit tragen. Ja, das Coronavirus ist „böse“, sagen uns Ärzte und Virologen, und meinen damit, dass es sehr gefährlich sei. Aber anders als die Gläubigen früherer Zeiten es sahen, ist Krankheit weder ein Werk des Teufels noch eine Strafe Gottes. 

Darum sollen wir inmitten aller Sorge auf Gottes Hilfe und Bewahrung vertrauen. Er gibt uns Kraft und Hoffnung für jeden neuen Tag. Schauen wir auf Gott, der aus der Not erretten kann, und auf Jesus Christus, der seinen Leidensweg bis ans Ende gegangen ist. Am Ende siegen die Hoffnung und das Vertrauen. Und das bedeutet, mit Dietrich Bonhoeffers Worten in EG 652:

 „Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Ihre Pfarrer Rüdiger Klemm und Klaus Fleckner

Andachten für jeden Tag: Nicht nur für Erwachsene

Andachtsangebote für jeden Tag sind online en mass vorhanden. Allerdings nicht unbedingt für Kinder. Josephine Teske, Pastorin in der Nordkirche, hat ein neues Angebot erstellt, das nicht nur tägliche Andachten für Erwachsene, sondern auch für Kinder bereitstellt.

Teske selber sagt dazu: <<In den letzten Wochen habe ich gemerkt, wie viel Kraft es mir gibt zusammen mit Euch auf meinem Instagram-Kanal Andacht zu feiern. Gemeinsam füreinander und miteinander zu beten. Auf dieser Seite stelle ich für Dich jeden Tag eine Andacht bereit. Dabei gibt es einen Wochentext und jeden Tag einen neuen Textimpuls.

Du kannst morgens, mittags und abends mit diesen Texten eine Andacht halten. Klick dafür einfach auf den Link unter diesem Text. Die Texte der Andacht passen sich entsprechend der Uhrzeit an. So brauchst Du Dir nur einen Link zu merken.

Du kannst den Andachten genauso folgen, wie du sie vorfindest. Kannst den Bibeltext selbst lesen. Oder ihn dir von mir vorlesen lassen. Du kannst meine Gebete sprechen, oder deine eigenen Worte finden. Es geht in dieser Zeit einzig um dich und Gott. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Ich biete dir nur eine mögliche Anleitung. Je nach Tageszeit variiert diese.>>

Die Andachten finden sich auf Seligkeitsdinge.de.

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Internet-Fastenaktion zum Thema menschliche Abgründe: Wut, Ekel, Scham, Neid, Eifersucht, Angst und Trauer

In diesem Jahr werden in Beeck keine Passionsandachten stattfinden. Wer dennoch über Mensch-Sein und Gott-Sein nachdenken möchte, kann das mit dem digitalen Angebot aus der Bonhoeffer-Gemeinde.

Jonathan Kohl ist seit knapp einem Jahr Vikar in der Evangelischen  Bonhoeffer Gemeinde Marxloh Obermarxloh. Er und Vikarin Dorothea Ugi aus der Gemeinde Bonn-Oberkassel laden Interessierte dazu ein, in der Fastenzeit an sieben Abenden in gemeinsamen Videokonferenzen auf Abgründe des menschlichen Daseins zu blicken und diesen Gefühlen Aufmerksamkeit zu schenken. Am Anfang geht es um Wut. 

Den Rahmen gibt die Fastenzeit vor: Sieben Wochen geht es nacheinander immer dienstags um 19 Uhr um die Gefühle Wut, Ekel, Scham, Neid, Eifersucht, Angst und Trauer. Interessierte, die sich vorab anmelden, erhalten jede Woche Anregungen zur Selbstreflexion und einen Text. Bei den wöchentlichen Zoomtreffen gibt es thematischen Input und die Möglichkeit zum Austausch in der Gruppe. Den Abschluss der sieben Wochen soll eine Osteraktion bilden.

Zum Auftakt am 16. Februar 2020 regen Dorothea Ugi und Jonathan Kohl in einer Mail vorab dazu an, sich selbst zu beobachten und einzuschätzen, in welchen Situationen Wut zu spüren ist, wie damit umgegangen wird und wer mag, skizziert einen persönlichen Wut-Lebenslauf mithilfe eines Zeitstrahls. „Berge und Täler auf dem Strahl können anzeigen, wie wichtig dieses Gefühl an den unterschiedlichen Stationen Ihres Lebens war“ schreiben die beiden. Wer bei dem Dienstagstreffen etwas von der persönlichen Auseinandersetzung zum Thema Wut teilen möchte, kann dies gerne tun. Das Nachdenken über die Fragen ist aber keine Voraussetzung zur Teilnahme, sondern einfach eine Anregung für die Teilnehmenden selbst.

Die Idee zu der Aktion entwickelte Vikarin Dorothea Ugi und Jonathan Kohl, der sie aus dem Predigerseminar kennt, fand sie so spannend, dass das Angebot ein gemeinsames geworden ist, und zwar für alle Menschen, die einen Internetzugang haben und neugierig auf die Fastenaktion über menschliche Abgründe geworden sind. 

Grundüberlegung für die Aktion war die Beobachtung, dass diese Gefühle, wenn sie im Inneren der Menschen toben, keinen Platz mehr für anderes lassen. „Weil sie unangenehm sind, versuchen wir diese Gefühle meistens schnell wieder loszuwerden. Wir versuchen sie unter Kontrolle zu bringen, damit sie keinen Schaden an uns selbst und anderen anrichten oder weil andere bloß nichts davon mitbekommen sollen. Den Schaden abhalten ist wichtig – einerseits. Andererseits ist es genauso wichtig, sie ernst zu nehmen und ihnen Gehör zu schenken. Weil sie uns wichtige Hinweise geben: Auf überschrittene Grenzen oder darauf, dass uns etwas fehlt.“

Nach dem Auftakt am 16. Februar zum Thema Wut geht es am 23. Februar um „Angeekelt!“, am 2. März um „Voller Scham!“, am 9. März „Neidisch!“, am 16. März um „Eifersüchtig!“, am 23. März um „Beängstigt!“ und am 30. März um „Traurig!“. 

Für die Treffen wünschen sich Vikarin Ugi und Vikar Kohl einen vertrauensvollen Rahmen, in dem der Umgang miteinander wertschätzend und unterstützend ist. Dafür hilft es, wenn sich eine feste Gruppe bildet. Besuche einzelner Termin sind aber auch möglich. 

Quelle: Evangelisch in Duisburg