Weihnachtsandacht für Zuhause

CC BY-ND 4.0 Michael Hüter/ekir.de

Liebe Gemeinde, liebe Mitfeiernden!

Über die Beschaulichkeit der Nächte auf dem Hirtenfeld und die von Helligkeit umstrahlte Wärme der Krippenszenerie in jenem Stall zu Bethlehem ist im Laufe der Jahrhunderte viel gedacht, geschrieben und diskutiert und vor allem auch gesungen, gespielt und gemalt worden.

Obwohl eigentlich die ganze Bibel Zeugnis davon ablegt, dass Gott unserer Welt nicht fern bleibt, dass wir ihm zu Herze gehen, und dass er – wie es uns in jedem Gottesdienst wieder versichert wird – „das Werk seiner Hände nicht loslässt“, konzentriert sich doch zu Weihnachten diese ganze wechselvolle Geschichte in diese Erzählung von der Geburt Jesu im Stall und den Hirten, die kommen, um zu sehen, was da geschehen ist. Denn da ist nach unserer Meinung genau das von Gott sichtbar geworden und in unserer Welt greifbar erschienen, was immer schon seine Beziehung zu uns ausgemacht hat.

Es ist eine Geschichte, die sich wahrnehmbar in unserer Welt abspielt, und nicht irgendwo über den Wolken. Lukas hält ausdrücklich die historischen Daten fest, das ist ihm wichtig. Dann und dann, zu genau jener Zeit („Als Quirinius Statthalter war…“) hat dies stattgefunden. Und wenn Gott in der Welt erscheint, dann ist auch diese unsere Welt gemeint, die, in der wir leben. Keine Phantasie, kein Gedankengebilde, sondern Tatsache!

Und im Zentrum steht die Geburt des Herrn, der – wie viele Menschen heutzutage auch – unter Umständen geboren wird, die eine harte und raue Wirklichkeit widerspiegeln. Eine Geburt öffnet immer ein Fenster zur Zukunft. Ohne die Fragen beantworten zu können, stellen sie sich trotzdem. Was wird aus dem Kind mal werden?

Wird es glücklich sein? Wird es Krieg und Katastrophen überleben, hoffentlich gar nicht erst erleben müssen und ein langes Leben haben?

Als erste erfahren Hirten von dieser Geburt, die draußen auf dem Feld ihren Dienst tun, Wachpersonal auf Nachtschicht, zuständig für die Sicherung der Besitzstände anderer. Hier im alltäglichen (oder allnächtlichen) ärmlichen Klein-klein findet das statt, was die Welt seit fast zweitausend Jahre immer wieder auf andere Gedanken zu bringen versucht. Gott ist es, der die Zukunft in Aussicht stellt, und der sie allen zuspricht, die darauf ihr Vertrauen setzen. Das Fenster zur Zukunft, das jede Geburt in einer Familie ihr öffnet, soll hier ein Fenster auf die Zukunft aller sein.

Mit dieser Geburt ist der in die Welt gekommen, der seitdem der Garant dafür ist, dass diese Welt nicht ist wie ein verlorener Ball im hohen Gras, der von keinem mehr gefunden wird, und der zugleich den ständigen Anstoß dazu gibt, um – wie er – immer wieder das Verlorene zu suchen. Das Göttliche, das gefunden wird, erfordert keine Verrenkungen, nur, dass man sich auf den Weg macht.

Das haben in jener Nacht ja die Hirten erfahren. Aufgerüttelt und sich fürchtend haben sie plötzlich erfahren, wie nah der Himmel der Erde sein kann. Fürchten sollten sie sich darum aber gerade nicht, die Engel rufen ja zu Freude auf.

„Ehr sei Gott! Auf Erden Frieden! Allen Menschen Wohlgefallen, Gottes Gnade allem Volk, Gottes Gnade allem Volk!“ (EG 52)

„​Immer werden wir ’s erzählen, wie das Wunder einst geschehen…“​ … auch in diesem Jahr, in dem wir das Weihnachtsfest so anders feiern werden als wir es bis jetzt gewohnt waren.

Kontaktbeschränkungen und Abstandsgebote verhindern grundlegend, dass wir zu nah aneinander rücken, wenn wir schon überhaupt mit allen zusammenkommen können, mit denen wir zum Fest gerne zusammen wären. Ohne das viele Drumherum, auf das wir in diesem Jahr notgedrungen außerdem verzichten müssen, liegt die Weihnachtsgeschichte nun fast vor uns wie das Jesuskind in der Krippe damals, „….liegt in der Krippen bloß und leucht‘ doch wie die Sonne…“ (EG35). Auch die Virus-Pandemie wird uns nicht davon abhalten, diese Geschichte wie immer zu hören und neu zu hören und uns Gedanken darüber zu machen, wie wir uns denn unter den völlig anderen Bedingungen trotzdem auf dem Weg machen können, „​und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.“ ​Amen.

Wenn Sie die ganze Weihnachtsandacht von Pfarrer i. R. Tijmen Aukes zu Hause nachfeiern möchten, dann laden Sie sich an dieser Stelle das PDF herunter: